Wettkampfkletterer erleben gewöhnlich am Plastik, an vorgegebenem Ort und zu vorgegebener Zeit ihre Sternstunden. Doch können sich gute Wettkampfkletterer bekanntlich auch am Fels gut bewegen. Erfahrene schwören sogar darauf, dass Spitzenwettkampfkletterer auch am Fels spitze sind. Dieser Frage ging am 28. und 29. Juni 2008 das Wettkampfkader 1 des Kletterteams München-Oberland in einem Trainingslager im sektionseigenen Klettergebiet Vorderkaiserfelden nach.
Das Ergebnis kann sich sehen lassen: In zwei Tagen wurden sage und schreibe 68 Begehungen (davon 21 Erstbegehungen) zwischen 6- und 10- abgehakt. Dabei wurden vier neue Sektoren, darunter der sicherlich schönste Sektor von Vorderkaiserfelden, das „Kletterteamwandl“ erschlossen. Drei der neuen Sektoren befinden sich an der beeindruckenden Mauer der Steingrubenschneid, die sich damit zum Zentrum des Klettergebietes Vorderkaiserfelden entwickelt hat. Erwähnenswert ist, dass sich unter den neuen Routen an der Steingrubenschneid (vier waren bereits vor dem Trainingslager des Wettkampfkaders erstbegangen worden) einige befinden, die nur nach lang anhaltenden Regenfällen oder sogar nie nass werden. Einige der leichteren Neutouren wurden extra für Ausbildungskurse, Trainings etc. mit Zwischenständen eingerichtet. Alle neuen Routen sind (wie die allermeisten auf Vorderkaiserfelden) sehr gut mit Klebebohrhaken oder Expressankern und mit moderaten Hakenabständen abgesichert. Anmerkung: der Helm ist dennoch gerade an der Steingrubenschneid auf Grund der gesamten Wandhöhe Pflicht.
Das Hüttenteam von Vorderkaiserfelden hat sich stark engagiert. Mit den feinsten kulinarischen Genüssen, die die Hütte zu bieten hat wurde den jugendlichen Elitekletterern das Leben auf Vorderkaiserfelden versüßt und damit die strapazierten Muskeln zur Regeneration angeregt. Der Einsatz der Wettkampfkletterer war neben dem Trainingseffekt auch gezielt auf die Interessen der Hüttennutzung ausgerichtet. Die enorme Tickliste, die vom Wettkampfkader abgearbeitet wurde stellt einen Meilenstein in der weiteren Entwicklung des Klettergebietes Vorderkaiserfelden dar.
Bisher waren auf Vorderkaiserfelden (zumeist München-Oberland-) Kurse im Vordergrund gestanden, die dem Motto „Von der Halle an den Fels“ folgten oder als Alpingrundkurse abgehalten wurden. Ab sofort findet auch der ambitionierte Sportkletterer (und damit verbundene Kurse) auf Vorderkaiserfelden ein großes Feld an Betätigungsmöglichkeiten. Die schnelle Erreichbarkeit von München aus und die Vielzahl an Sektoren im unmittelbaren Umfeld der Hütte, verbunden mit vergleichbar niedriger Höhe bei zugleich alpinem Ambiente werden deshalb absehbar weitere Kletterbegeisterte nach Vorderkaiserfelden locken. Das Erschließungspotential insbesondere im Bereich der Steingrubenschneid lässt darüber hinaus für die kommenden Jahre auf viele weitere schöne Neutouren in allen Graden hoffen. Die Frage ob Wettkampfkletterer auf Vorderkaiserfelden ihre Kletterfähigkeiten verbessern können, beantwortet das Wettkampfkader deshalb eindeutig mit: Wir kommen wieder! |